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Dieses KI-Bild ist kein Graphic Recording

Lesezeit: 4 min

eit Monaten tauchen sie überall auf: KI-Bilder, die aussehen wie ein Graphic Recording. Handschrift-Font, ein paar Icons, bunte Container, alles hübsch angeordnet. Man wirft ein Transkript in ein Modell, promptet „mach ein Graphic Recording daraus“, und ein paar Sekunden später liegt das Bild da.
Der Wunsch ist verständlich. Ein Graphic Recording verdichtet Komplexität in ein Bild, das man versteht, ohne lange zu lesen. Wer das schnell und günstig haben kann, greift zu.

Nur ist das Ding, das da entsteht, kein Graphic Recording. Es mag annähernd wie eines aussehen. Doch es ist nicht dasselbe. Eher ist es eine mehr oder weniger schlechte Infografik..

Das Bild ist nicht die Arbeit

Ein Graphic Recording ist kein Bild, das ein bestimmtes Aussehen hat. Es ist das sichtbare Ergebnis eines Prozesses, der im Raum passiert, während Menschen miteinander reden.
Ein trainierter Graphic Recording Experte hört zu und versteht. Sortiert im Kopf, was wichtig ist und was nicht. Erkennt, wo zwei Leute dasselbe meinen und es nicht merken. Findet das Bild, die Metapher, die einen zähen Gedanken auf einmal klar macht. Sortiert aus, was off-topic ist. Und bringt das in Echtzeit an die Wand, vor der Gruppe, während die Diskussion noch läuft.
Das ist die Arbeit. Das Zuhören, das Verdichten, das Verbinden, das Übersetzen. Eine Facilitation- und eine Synthese-Leistung.
Das Bild ist das, was am Ende übrig bleibt.
Wenn du ein Transkript in ein KI-Modell wirfst, fällt genau diese Arbeit weg. Niemand hat zugehört. Niemand hat verdichtet. Niemand war im Raum. Die Gruppe hat sich nicht dabei zusehen können, wie ihr Denken Form annimmt — und genau dieses Zusehen ist der Moment, in dem gemeinsames Verständnis entsteht.
Du hast ein Bild. Du hast nicht die Arbeit.

KI-Bilder liegen in der Vergangenheit

Es gibt einen einfachen Test, an dem sich die beiden Dinge trennen lassen.
Ein KI-Bild visualisiert Wissen, das schon existiert. Es greift auf das zurück, was bereits gesagt, geschrieben, protokolliert wurde, und gießt es in eine Form. Es liegt immer in der Vergangenheit.
Ein Graphic Recording zeigt, was gerade im Moment entsteht – hier und jetzt. Es fängt den Gedanken ein, den noch keiner ausformuliert hatte, den Widerspruch, der eben erst aufblitzt, die Einigung, die sich im Reden erst bildet. Es lebt in der Gegenwart, im Raum, in der Gruppe.
Eine Infografik mag zeigen, wie die Welt funktioniert (siehe Bild). Ein Graphic Recording zeigt, warum euer Change-Projekt gerade scheitert und was ihr tun solltet. Das eine ist Material. Das andere ist Arbeit an einer konkreten Gruppe an einem konkreten Tag.

Bei visueller Strategie ist es noch deutlicher

Ihre Online Meetings stehen in Form eines Graphic Recordings dem Teilnehmer sofort  nach dem Meeting direkt zur Verfügung. Selbst Personen, die nicht teilgenommen haben, können im Nachgang des Online Meetings alles auf einen Blick im Graphic Recording erfassen.

So sparen Sie Zeit, Kosten und verringern die Umweltbelastung mit dem visuellen Protokoll

Zeit, Kosten und Umweltbelastung. Menschen in einem Raum zu versammeln ist teuer, besonders wenn Reisen erforderlich sind. Eine Erhöhung des Prozentsatzes der online abgehaltenen Sitzungen spart Zeit, Kosten und verringert die Auswirkungen der Reisen auf die Umwelt.

 

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Bei visueller Strategie ist es noch deutlicher

Beim Graphic Recording geht es ums Festhalten dessen, was im Moment passiert. Bei visueller Strategie geht es darum, dass die Strategie überhaupt erst entsteht.
Eine Strategie, die trägt, kommt nicht aus einem Prompt. Sie kommt aus dem gemeinsamen Ringen einer Führungsmannschaft: aus Reibung, aus Perspektivwechseln, aus dem Moment, in dem alle dasselbe Bild vor Augen haben und wissen, wofür sie stehen. Das Bild an der Wand ist dabei das Werkzeug, an dem sich dieses Verständnis bildet — nicht die Illustration eines Ergebnisses, das anderswo schon feststand.
Ein Modell kann ein einzelnes Element visualisieren. Ein Icon, ein Diagramm, ein Motiv. Was es nicht kann: die Synthese über eine ganze Organisation, das mehrschichtige Sensemaking, die Wirkung auf die Menschen, die diese Strategie am Montag leben sollen. Das ist menschliche Arbeit, und sie bleibt menschliche Arbeit.
Graphic Recording wurde Ende der 70er von David Sibbet an der amerikanischen Westküste als Methode der Organisationsentwicklung entwickelt, erster Workshop 1980, das Handbuch dazu liegt uns vor. Erfunden von Facilitatoren, um Gruppenarbeit wirksamer zu machen. Interaktion in Echtzeit, nicht Dokumentation. Das ist die Methode, um die es geht. Ein KI-Bild bedient sie nicht, es imitiert nur ihre Oberfläche.
 

Wo die KI tatsächlich hingehört

Das ist kein Plädoyer gegen die Technik. Wir arbeiten selbst mit hochwertiger KI: 
  1. Mit KI-Bildgenerierung – Setup, Konfiguration, Training, eingewobener high-end Strategiebild-Stil (nur für ausgewählte Details, da die KI die Syntheseleistung nicht beherrscht). 
  2. Und in unserem Unternehmen – Prozess-Support, Administration, Projektmanagement. Statt nur Chat und Agenten ein maßgeschneidertes System mit programmiertem Kontext und Qualitätsstandards unserer Arbeit. 
Wir gehören zu den Leuten, die das auf diesem Niveau können. Die Grenze verläuft nicht zwischen uns und der KI. Sie verläuft zwischen dem, was Technik leistet, und dem, was Menschen brauchen.
Ein KI-generiertes Bild kann eine Infografik sein, eine Illustration, ein Visual. Alles davon ist nützlich, alles davon hat seinen Platz. 
Nenn es nur beim richtigen Namen.
Es ist kein Graphic Recording. Denn niemand hat die Arbeit gemacht.

 

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