Das Hotel ist gebucht, die Agenda steht, das Führungsteam sitzt zwei Tage zusammen. Am Ende hängen volle Flipcharts an der Wand, und alle fahren mit einem guten Gefühl nach Hause.
Zwei Monate später? Ist das Tagesgeschäft zurück, das Fotoprotokoll liegt im Ordner, und in der nächsten Runde wird wieder über dieselben Fragen diskutiert.
Das liegt selten an den Menschen im Raum. Meistens fehlen zwei Dinge: ein Ergebnis, das man wieder in die Hand nehmen kann, und ein Prozess, in dem alle mitdenken können, auch die Person, die sonst moderiert.
Genau dafür gibt es die Zielbild-Klausur. In diesem Artikel zeige ich dir, wie wir dabei arbeiten, bei welchen Herausforderungen sie hilft und wann ein anderes Format besser passt.
Klausur, Zielbild, Commitment.
Woran Klausuren so oft scheitern
In unseren Gesprächen mit Kunden höre ich immer wieder dieselben Sätze. Sie klingen jedes Mal etwas anders, laufen aber fast immer auf eines von vier Mustern hinaus:
- Dieselben Dinge, verschiedene Worte: Im Führungskreis redet man über dasselbe Ziel und merkt erst Wochen später, dass jeder etwas anderes darunter verstanden hat.
- Entscheidungen kommen zurück: Was in der Klausur beschlossen schien, wird in der nächsten Runde wieder aufgemacht.
- Zu viele Vorhaben, keine Rangfolge: Alles ist wichtig, also ist nichts wirklich priorisiert.
- Die Strategie bleibt oben hängen: Sie ist beschlossen, kommt aber bei den Mitarbeitenden nicht an. PowerPoint und lange Texte tragen selten bis in die Produktion, die Filiale oder den Außendienst.
Das vierte Muster ist das häufigste. Gleichzeitig hat es seine Ursache meistens im ersten: Wenn die Führung selbst kein gemeinsames Bild hat, kann sie auch keins weitergeben. Warum Veränderung dann schnell auf Widerstand stößt und wie man mit diesem Widerstand arbeitet, beschreibt Mathias in seinem Artikel über Visual Facilitation im Change Management.
Mitreden statt moderieren
Ein Wunsch taucht dabei fast immer auf: Die Führungskraft will mitdiskutieren, ohne gleichzeitig den Prozess führen zu müssen.
Das ist verständlich. Wer moderiert, muss neutral bleiben, auf die Zeit achten und die Stillen einbinden. Wer gleichzeitig inhaltlich etwas will, kann beides nur halb.
Deswegen trennen wir die Rollen. Dein Team arbeitet am Inhalt, wir führen den Prozess. Wir bereiten die Fragen vor, halten den roten Faden und verdichten, was im Raum entsteht. Die Lösung kommt von den Leuten selbst, und genau deshalb wird sie hinterher auch getragen.
Was ein gemeinsames Zielbild leistet
Während der Klausur visualisieren wir live mit, was die Gruppe erarbeitet. Das hat einen einfachen Effekt: Alle sehen, worüber man sich schon einig ist und worüber noch nicht. Unterschiedliche Bilder im Kopf werden vergleichbar, bevor daraus Missverständnisse werden.
Am Ende steht ein gemeinsames Zielbild, das auf einen Blick zeigt, wohin es geht, was Vorrang hat und wer was beiträgt. Es ist Arbeitsmittel und Ergebnis zugleich. Und es bleibt sichtbar, auch für die, die nicht im Raum waren.
Wichtig ist dabei die Reihenfolge: Die Visualisierung ist die Methode, der Zweck ist der Gruppenprozess. Ein schönes Bild, an dem die Gruppe nicht mitgearbeitet hat, bleibt Dekoration. Was wir unter Visual Facilitation verstehen, steht auf unserer Seite dazu. Und warum Ausrichtung überhaupt ein Bild braucht, habe ich ausführlicher im Artikel Vision im Team beschrieben.
So läuft eine Zielbild-Klausur ab
- Zuhören – Wir sprechen kurz mit drei bis sechs Führungskräften. Danach wissen wir, wo ihr euch schon einig seid und wo die Bilder im Kopf auseinandergehen.
- Vorstrukturieren – Aus den Gesprächen entsteht ein erster Entwurf. In der Klausur fängt niemand bei null an.
- Klausur, Tag 1: Wohin wollen wir? – Das Team klärt Richtung und Begriffe. Eine Person von uns führt durch den Prozess, eine zweite visualisiert live mit.
- Klausur, Tag 2: Was hat Vorrang? – Aus dem Bild werden Prioritäten mit klarer Rangfolge und Zusagen mit Namen und Datum.
- Nachbereitung – Ihr bekommt das Zielbild in finaler Fassung, für die Führung und für die Kommunikation in die Belegschaft.
Den Umfang passen wir an euer Team an. Für manche reicht ein Tag, andere brauchen zwei.
Bei welchen Herausforderungen wir helfen
Die Zielbild-Klausur ist oft der Einstieg. Je nachdem, wo ihr gerade steht, geht es danach unterschiedlich weiter:
- Die Richtung fehlt noch: Vision und Werte gibt es nur im Kopf der Gründer oder im QM-Handbuch. Dann beginnt die Arbeit mit Vision, Mission und Werten, an einem Workshoptag mit dem ganzen Führungsteam.
- Die Strategie steht, kommt aber nicht an: Dann wird das Zielbild zum Werkzeug für die ganze Organisation. Führungskräfte erklären die Richtung in ihren Teams, mit demselben Bild und denselben Worten.
- Bereiche wachsen nicht zusammen: Nach einer Fusion, einer Reorganisation oder schnellem Wachstum arbeiten Standorte und Abteilungen nebeneinander her. Hier begleiten wir mit Organisationsentwicklung über einen längeren Zeitraum.
- KI verändert die Arbeit: Die Tools sind eingeführt, die Menschen kommen nicht mit. Wie wir KI-Transformation gestalten, steht auf unserer Seite dazu. Und warum KI-Transformationen meistens an der Kultur scheitern, habe ich in einem eigenen Artikel aufgeschrieben.
- Eine große Tagung soll Ergebnisse bringen: Führungskräftetagung, Konferenz oder Jahresauftakt mit vielen Menschen. Dafür gibt es wirksame Event-Moderation, damit am Ende niemand ohne Botschaft nach Hause geht.
Alle Formate findest du in der Übersicht unserer Begleitung.
Wann eine Zielbild-Klausur das falsche Format ist
- Die Entscheidung ist schon gefallen: Wenn nur noch verkündet werden soll, braucht es keine Klausur. Dann geht es um Kommunikation, und dafür kann ein Zielbild trotzdem helfen.
- Zwei Personen stecken in einem akuten Konflikt: Das braucht zuerst ein Klärungsgespräch im kleinen Rahmen. Eine große Runde macht den Konflikt eher größer.
- Ihr wollt eine Tagung nur festhalten: Dann reicht ein Graphic Recording. Eine Klausur ist dafür zu viel.
Woran du erkennst, ob dein Team eine Zielbild-Klausur braucht
- Könnten alle aus deinem Führungskreis die Richtung für die nächsten zwölf Monate in einem Satz sagen, und wäre es derselbe Satz?
- Gibt es eine Rangfolge eurer Vorhaben, an die sich alle halten?
- Können deine Führungskräfte ihren Teams erklären, was die Strategie für deren Arbeit bedeutet?
Wenn du bei einer dieser Fragen zögerst, lohnt sich ein Gespräch.
Gemeinsam ins neue Jahr und darüber hinaus
Der Jahreswechsel ist für viele Führungsteams der natürliche Moment, sich Zeit füreinander zu nehmen. Zwei Formate bieten sich dabei besonders an:
Im Dezember: die Jahresabschluss-Klausur. Ihr schaut gemeinsam zurück: Was hat funktioniert, was nicht, worauf seid ihr stolz, und was lasst ihr im alten Jahr? Aus dem Rückblick entsteht der Blick nach vorn. So geht ihr mit einem gemeinsamen Zielbild in die Feiertage statt mit einer offenen To-do-Liste.
Im Januar oder Februar: der Jahres- oder Team-Kickoff. Die Richtung steht oder soll jetzt entstehen, und alle sollen sie kennen und mittragen. Ob im Führungskreis oder mit dem ganzen Team: Am Ende weiß jeder, was in diesem Jahr Vorrang hat und welchen Beitrag er dazu leistet.
Gleichzeitig ist der Kalender nur einer von vielen Anlässen. Eine Zielbild-Klausur lohnt sich immer dann, wenn sich etwas Grundlegendes bewegt:
- eine neue Geschäftsführung oder ein neu zusammengesetztes Führungsteam
- eine neue Strategie, die in die Organisation getragen werden soll
- eine Fusion, eine Reorganisation oder schnelles Wachstum
- die Halbjahresbilanz, wenn klar wird, dass die Prioritäten vom Jahresanfang nicht mehr passen
Egal, wann es bei euch so weit ist: Lass uns 30 Minuten sprechen. Wir hören zu, wo ihr steht, und sagen dir offen, ob eine Zielbild-Klausur passt oder ein anderes Format besser ist.
Und wenn ihr im Dezember oder Januar starten wollt, lohnt es sich, jetzt zu planen. Die Vorgespräche brauchen zwei bis drei Wochen Vorlauf.
FAQ
Die Klausur selbst dauert ein bis zwei Tage. Dazu kommen kurze Vorgespräche zwei bis drei Wochen vorher und die finale Fassung des Zielbilds danach.
Das Führungsteam, das die Richtung verantwortet: Geschäftsführung, Bereichsleitungen oder ein Gremium wie Vorstand, Rektorat oder Betriebsrat. Für Formate mit sehr vielen Menschen passt eher die Event-Moderation.
Ein Graphic Recording hält fest, was gesagt wird. In der Zielbild-Klausur verantworten wir den Ablauf, die Fragen und die Verdichtung zu Prioritäten und Zusagen. Das Bild ist dabei Arbeitsmittel und Ergebnis, kein Begleitprogramm.
Nein. Steht die Strategie, machen wir sie in der Klausur gemeinsam greifbar und bringen die Vorhaben in eine Rangfolge. Fehlt sie noch, erarbeitet das Team sie im Prozess. Und fehlt erst die Grundlage, starten wir mit Vision, Mission und Werten.
Über VISUAL FACILITATORS
Wir begleiten seit über 20 Jahren Strategieprozesse für Mittelstand und Beratungen im DACH-Raum. Unsere Methoden: Facilitation, Graphic Recording, Rich Pictures, Visual Strategy Mapping. Immer live, immer kontextspezifisch, immer mit messbarem Impact und nah am Menschen. Und: Wir sind Pioniere in der Verbindung von Strategieaktivierung mit KI.


