Visualisierung lässt Neues entstehen – Interview Thomas Hübl

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Interview: Thomas Hübl

Interview Thomas HüblVisualisierung und Foto: Mathias Weitbrecht, Celebrate Life Festival 2012  

Wie Neues entsteht

Wie entsteht Neues in unserer Welt? Und was hat Visualisierung damit zu tun? Denken wir an eine Raupe, die sich verpuppt, und dann zu einem Schmetterling wird. Die Parallelen zu gesellschaftlichen und organisatorischen Wandlungen sind offensichtlich. So sind neue soziale Transformationsbewegungen wie alternative Bildungs- und Wirtschaftssysteme, arabischer Frühling, Occupy etc. durch hohe Vernetzung und Kollaboration via Internet gekennzeichnet. Bei dem Bild des Schmetterlings handelt es sich also um mehr als eine bildliche Metapher – es steht für das wesentliche Element, durch das eine neue, höhere Stufe erreicht wird.

Wie sieht der Prozess aus, wie Neues sich manifestiert?

Was hat das mit Evolution und steter qualitativer Weiterentwicklung zu tun? Schauen wir auf ein weiteres Bild: Wir wissen, wie Pakete aussehen, in denen Zerbrechliches transportiert wird. Viel Polsterung innen und eine Menge Warn-Aufkleber außen. Alles kommt an wie abgeschickt (bleibt beim Alten), nichts passiert. Stellen Sie sich nun ein Paket vor, auf dem der warnende Aufkleber sagt „Bitte werfen und herumstoßen!“. Es kommt anders an als abgeschickt, vielleicht hat jemand etwas Schützendes angeklebt. Es hat auf seiner Reise durch die Umstände „dazugelernt“ (das Neue). So funktioniert Evolution – durch Schocks, Stöße und Krisen verbessern sich die Dinge.

Interview Thomas Hübl

Ich habe den Bewusstseinsexperten Thomas Hübl befragt. Er kennt nicht nur zeitlose innere Welten sondern auch den Marktplatz der Welt und vereinigt innere und äußere Wissenschaften in seiner Erfahrung. Hier seine lesenswerte Sicht zu Kreation und Co-Kreation:

Die lebendige sich selbst erneuernde Kultur

Loslassen in die Ungewissheit

Mathias Weitbrecht: Wie entsteht Neues? Thomas Hübl: Der kreative Prozess geschieht meiner Meinung nach zwischen den Dingen. Begegnen sich Menschen und es entwickelt sich ein Dialog, dann gibt es entweder die Möglichkeit, dass wir in der Vergangenheit verhaftet bleiben und das wiederholen was wir bereits kennen; oder wir erlauben dass die Verbindung ein fruchtbarer Boden wird für neue Samen – das nennt man Innovation. Die Grundstruktur des ‚Genius‘ als Prinzip, also das Geniale an sich, ist dass wir Raum schaffen durch Bezogenheit und in der Bezogenheit landet Kompetenz. Durch solch einen kreativen Dialog entsteht die Möglichkeit dass zwischen uns etwas Neues entsteht – Emergenz. Es entsteht also etwas was wir beide nicht vorherdeterminiert haben. Es entsteht ein Überraschungsmoment – das Kreative ist immer begleitet von einem solchen Moment. Man erkennt: Es passiert etwas Neues. Ich sage entweder etwas, wovon ich überrascht bin oder höre etwas von meinem Gesprächspartner was mich überrascht. Wir gelangen einen kreativen Zustand –Augenblicke in denen etwas klar wird oder eine Einsicht geschieht, verbunden mit einem erhebenden Gefühl, Inspiration, Lebendigkeit. Ein solcher Moment hat also seinen etwas wie ein eigenes Parfüm, einen eigenen Geschmack. Ich glaube dass Kreativität, Innovationskraft oder Emergenz von Neuem gelernt werden kann. Es handelt sich um eine Fähigkeit, die wir entwickeln können. Es handelt sich um eine personelle und auch interpersonelle Fähigkeit, die eine Firma, eine Gemeinschaft oder ein Projektteam entwickeln kann.

Bodenhaften und Höhenflug

Wie geschieht dies praktisch? Was ist dieses feine Neue, was braucht es dazu und wie kann ich dies entwickeln? Gehe ich dabei über das lineare Denken und die in Organisationen oft übliche Zahlen-Daten-Fakten-Welt hinaus? Das ist höchstwahrscheinlich genau das Dilemma unserer Zeit. Es braucht diese Zahlen-Daten-Fakten, es braucht dieses „Grounding” und eine gesunde Struktur einer Firma, eines Unternehmens, eines Projekts. Und gleichzeitig benötigt das Kreative auch seinen Platz. Ich glaube dass dieses Prinzip für die Wirtschaft und andere Disziplinen sehr wichtig ist. Es hält einen kreativen Raum offen den wir als ‚Zusatzfähigkeit‘ kultivieren müssen. Das bedeutet: wir brauchen die Zahlen-Daten-Fakten und Bodenständigkeit und zur gleichen Zeit braucht ein erfolgreiches Unternehmen einen Raum, der von den Zahlen-Daten-Fakten nicht bestimmt werden darf. Dieser muss offen bleiben – um sich der Zukunft zu öffnen. Diesen Raum unseres Potenzials darf man nicht ersticken. In Unternehmen oder Projekten liegt darin die Kunst – eben beides hinzukriegen. In der Präsenz des Gegenwärtigen, des kreativen Dialogs, der Auseinandersetzung mit mir selbst und anderen bzw. einen Thema kann dadurch nicht-lineare Information auftauchen: jemand kommt auf eine Idee, die nicht ableitbar war aus dem was wir schon kennen. Was passiert genau? Wenn man ‚Kreativität‘ in eine Suchmaschine eingibt, erhält man ja Millionen Ergebnisse. Und hört man sich um, so gibt es Millionen Leute, die genau das machen wollen. Doch nur ganz wenig an wirklich Neuem kommt bei wenigen wirklich durch. Was ist der Prozess wenn man das anders machen würde? Der Prozess liegt darin, dass das Neue nicht aus der Struktur des Alten kommt. Das Neue landet im Raum zwischen den Strukturen. Kreativität und Gegenwärtigkeit haben ganz viel miteinander zu tun. Wovon wie hier sprechen ist dass gewisse Menschen so kompetent und so präsent mit der Disziplin sind, in der sie arbeiten, dass sie über die ‚Zimmerdecke‘ des Gewohnten und Bekannten hinauswachsen. Präsent zu sein mit dem was gerade passiert ist ein Türöffner für Emergenz. Wir sehen das ja: Meistens sind Leute, die eine Speerspitze der Entwicklung sind, Menschen die sehr präsent sind: im Sport, in der Wissenschaft, im Business. Da kommen wir Menschen genau an den Punkt wo die analytische und intuitive Kapazität, die wir haben, kollaborieren müssen. Interview Thomas Hübl

Visualisierung von Emergenz

Stehe ich als Visualisierer beispielsweise an meiner Bild-Wand, so mache ich ja eigentlich genau das. Ich nehme die linear fließende Information auf (Zahlen, Daten, Fakten), Stimmen und andere Beobachtungen – und gleichzeitig muss ich vollkommen präsent sein und eine Offenheit für das Unsichtbare haben. Ich erlebe das manchmal wie einen Flow-Zustand. Was kann ich in der Rolle, in der ich bin, tun um wirklich etwas Neues beizutragen? Genau das was Du beschreibst: Du nimmst Anteil an dem Prozess, den Du gerade visualisierst und nimmst Gespräche, Inhalte und Fakten auf. Gleichzeitig kultivierst Du in Dir einen Raum, der nicht eingenommen ist von dem was gerade passiert. Das Kreative ist also nicht ganz okkupiert von dem was Ist-Zustand ist. Es gibt einen inneren Raum, der offen bleibt. Du hast das mit dem Wort Flow beschrieben. Viele Sportler kennen das ja auch, und spielen dann exzellent und jeder weiß, dass gerade etwas Außergewöhnliches passiert. Sie sind innerlich so präsent – wir haben hier also wieder das Thema Präsenz – dass sich Innen- und Außen-Erleben so synchronisieren, dass sie die feinsten Details mitbekommen und aus einer inneren kreativen Kapazität schöpfen können.

Das Team fürs Neue

Jetzt hast Du ja gerade einen größeren Kontext gebraucht, in dem Du von einem Team gesprochen hast. Wie manifestiert sich dort das Neue, wird manifest und bleibt dann auch? In der Regel dadurch dass es Teams gibt in denen die Mitglieder ihre eigene Ich-Struktur (z.B. „Ich möchte erfolgreich sein“) ein bisschen in den Hintergrund treten lassen. Und durch ein wirkliches Einlassen auf den laufenden Dialog. So synchronisieren sich Innen und Außen der Teilnehmenden und Flow entsteht. Ich sage etwas, Du sagst etwas, er sagt etwas etc. – ein Hin- und Her-Fluss von Information. Dies ist der erste Zustand. Wenn Menschen sich darauf einlassen und das Neue sich durch dieses Team gebiert, dann braucht es noch etwas: Ist der kreative Moment ‚gelandet‘ dann braucht es das Geerdetsein, das Analytische aus Zahlen, Daten, Fakten, um es in die Welt ‚zu übersetzen‘. Ich glaube, dass erfolgreiche Menschen beides in sich vereinen können: Ganz loslassen von dem was wir können, keine Angst haben uns ins Unbekannte zu bewegen oder plötzlich Strukturen zerfallen, Veränderung geschieht, wir richtig oder falsch sind – all dies sind limitierende Faktoren für Kreativität. Ohne Angst davor kann ich mich ganz öffnen und zu einem weißen Blatt Papier werden. Obwohl ich ganz viel Wissen habe, habe ich die Fähigkeit zu diesem weißen Blatt Papier zu werden und auf diesem erscheint dann etwas Neues. Dazu muss ich das Anhaften an das, was ich kenne, loslassen können.

Die Inspirations-Reichweite

Du hast einmal erklärt: Wenn sich Neues manifestiert und man behält dies für sich, so verpufft es. Zum Manifestieren von neuen Strukturen braucht es immer mehr als einen. Schauen wir mal auf inspirative Höhen, die man erreichen kann: Jeder hat eine gewisse Inspirations-Reichweite. Wer einen Hund hat, kennt dies: Wirft man den Ball, so rennt der Hund dem Ball nach – aber nur dann, wenn er weiß, wo dieser runterfällt. Für Inspiration oder jede Form von Lernen ist es ganz wichtig dass alles Gelehrte oder Innovation nur dann Sinn macht wenn es eine Rückverbindung gibt von dem Neuen zu dem, was bereits existiert. Manchmal werden Dinge gelehrt, die so weit weg sind von dem wir kennen, dass Menschen aussteigen und uninteressiert werden. Es wird zu abstrakt und man damit nichts anfangen. Daher braucht jeder der innovativ ist ein Handy mit einer ihm bekannten Nummer die man anrufen kann, also eine Inspirations-Reichweite die nicht zu weit entfernt ist. Ist es zu abstrakt, so gibt es keine Referenzerfahrung mit dem man das Neue verbinden kann. Es würde ins Leere fallen. Läuft der Hund dort nicht hin, heißt das dass es neue Information ist, die niemanden interessiert. Selbst wenn diese Information in 200 oder 300 Jahren relevant wäre, macht sie zum heutigen Zeitpunkt keinen Kulturimpuls und fällt zunächst einmal ins Leere. Manche der genialen Geister kennen das: sie reden von wichtigen Dingen, doch niemand hört ihnen zu da es niemand mit heutiger Erfahrung verbinden kann. Vielen großen Geistern der Geschichte ist dies auch passiert: Was sie gesagt haben wurde erst 200 oder 300 Jahre später relevant. Das heißt für die Innovatoren in Unternehmen und Gesellschaft, für die Kulturkreativen: Es ist wichtig zu wissen dass es eine Inspirations-Reichweite gibt. In dieser muss ich mich bewegen wenn ich einen Kulturimpuls setzen möchte, der sich jetzt manifestiert.

Erst das Einschließen des Alten ermöglicht Transformation

Im Moment beobachten wir ja etwas wie eine Graswurzelbewegung von neuen Startups, Think Tanks, Social Innovation Unternehmen etc. – sie wollen Neues kreieren. Man beobachtet sie und stellt drei Dinge fest: die Manifestationskraft scheint sehr begrenzt zu sein, zweitens der Vernetzungsgrad gering, und drittens scheinen sie unter ständigem Ressourcenmangel zu leiden. Was geht da vor sich und wie kann Neues wirklich landen? Irgendwann wachen wir auf aus dem System in dem wir sind, wir erkennen etwas. Wir springen in etwas Neues. Wer springt, muss man sich ja vom Boden abstoßen. Es entsteht ein bisschen etwas wie eine Aversion gegen das alte System. Das neue Alternative hat eine Aversion gegen das Alte: das Alte oder ein Teil davon ist „nicht richtig“. Das ist gut um abzuspringen. Was viele aber vergessen ist dass sie im ‚Anti‘ zum Establishment verhaftet bleiben. Dadurch entsteht Ablehnung und Isolation. Diese verhindert dass die Kraft des Systems in das Neue hineinfließen kann. Zu einer These braucht es eine Antithese – und diese heißt ‚Anti‘, da sie sich dem Alten gegenüberstellt. Um beide zu verbinden, braucht es eine Synthese: Das Inkludieren des alten Systems in der neuen Erkenntnis, die ja eine größere Perspektive ist – „Inkludieren und Transzendieren“. Dann ist Innovation am Kräftigsten. Dann nehmen wir Ressourcen, Kraft und das bereits Erworbene des alten Systems mit ins Neue. Das ist meiner Meinung nach ein gesundes ‚Update‘. Das Thema des Buches ist ja auch das Bauen von Brücken zwischen Disziplinen (mittels Visualisierung) um etwas Höheres zu schaffen. Da ist ein Wunsch von vielen, doch sie wissen nicht wie sie dies machen. Was könnte Menschen dabei helfen, diese Brücken zu bauen und co-kreativ zu werden? Bei Neuem gibt es oft eine Kristallisations-Phase. Das Neue möchte sich erstmal festigen (kristallisieren) bevor es sich vernetzt. Um etwas zu vernetzen brauche ich einen Kristallisationspunkt. Ist Neues zu ungeformt, kann es sich nicht wirklich vernetzen. Etwas muss sich also individualisieren. Wie im menschlichen Bewusstsein ja auch: erst individualisiert sich ein Mensch und dann erst kann er teamfähig werden. Dasselbe gilt für Projekte und Unternehmen. Erst stärkt sich das Neue und gewinnt Substanz. Erst dann kann es sich vernetzen und dann kann ein kohärentes Netz entstehen, welches das Neue zu einer Wirklichkeit macht – und damit zum nächsten ‚Normalen‘ macht. Das Neue ist ja erst mal nicht normal aber in einhundert Jahren ist das jetzt Neue ganz normal. Dies passiert dann wenn genügend Menschen sich vernetzen und es zum Mainstream machen. Deshalb gibt es auch mehrere Phasen: eine Inspirations-Phase (ein Potenzial wird sichtbar), eine Kristallisations-Phase (das Sichtbar-Gewordene wird manifest) und dann eine Feld-Phase (die Impulse die meist auf verschiedenen Punkten der Erde entstehen, beginnen sich zu vernetzen). Dann steht ein neues Wertesystem. Ist dieses stark genug, was heißt dass genügend Menschen mitgehen, dann wird es zum Bestandteil des menschlichen Bewusstseins, den wir als ’normal‘ bezeichnen. Die Tatsache dass wir einen Neokortex haben war nicht normal zu der Zeit, als er gerade entstanden ist. Die Tatsache dass wir ein wissenschaftliches Weltbild haben war vor einigen hundert Jahren nicht normal – es war die Ausnahme. Dadurch dass sich genug Menschen dort hineinbegeben haben und dieses Weltbild mit erbauten wurde es zu etwas was wir als ein heute geteiltes Wertesystem sehen. Es ist also wichtig, Innovations-Phasen zu sehen und nicht überspringen zu wollen: Alle sind wichtig. So kommt z.B. ein Mitarbeiter der Innovationsabteilung eines großen Unternehmens mit einer bahnbrechenden Idee. Der Vorstand sagt das sei zu abgehoben und abstrakt. Die „Reibung“ die dieser Innovationsmitarbeiter in dieser Firma hat, ist wichtig. Dies wird zwar oft als Problem gesehen, doch durch die Reibung manifestiert sich ein innovativer Impuls. Sagen wir oft, dass die alten Strukturen Bewegung verhindern würden, so stimmt das – doch es ist auch ihr Job, damit das Neue durch die Reibung kristallisiert werden kann. Daher ist es wichtig die Phasen von Entwicklung zu sehen und wertzuschätzen, und auch zu wissen, in welcher Phase ein Projekt gerade ist. Damit unterstützen wir das, was gerade notwendig ist und versuchen nicht den Fluss schneller fließen zu lassen. Die hohe Kunst und Weisheit ist es diesen Fluss des Lebens weder zu bremsen noch zu beschleunigen zu wollen.

Wir selbst bauen den Spielplan des Bewusstseins

Dies ist ja inzwischen auch akademisch fundiert, dass diese Entwicklung nach oben offen ist und menschliches Bewusstsein sich ständig weiterentwickelt. Wir leben also nicht in einer Welt die immer dieselbe bleibt und dasselbe beinhaltet. Dies ist jedoch derzeit nicht die Mainstream-Meinung. Was immer sich im menschlichen Bewusstsein entwickelt, macht den „Spielplan“ größer. Einerseits ist Bewusstsein evolutionär und entwickelt sich durch uns bzw. alle, die einen kreativen/innovativen Beitrag leisten, gerade weiter. Sie bauen mit an einem größeren Bewusstsein, größerer Intelligenz, Kapazität und Komplexität. Andererseits vernetzt sich dies in uns auch: Gehirn, Körper, Gefühle, Gedanken, soziale Strukturen vernetzen sich. Wir bauen den Spielplan mit aus – wie im Spiel ‚Monopoly‘, wo jemand eine kreative Idee hat und sich das Spielfeld erweitert. Das menschliche Bewusstsein wächst innen, baut aber auch an einem größeren Spielbrett. Die Möglichkeiten die wir Menschen haben wachsen an – das wird oft übersehen. Es gibt eine neue Entwicklung und so und so viele Menschen verlieren dadurch ihren Job. Für sie ist das schwierig, kollektiv gesehen aber erweitert sich unser Spielfeld durch die Innovation und es werden mehr Möglichkeiten frei – man muss sich nur verändern. Die Veränderung ist die Herausforderung, auch wenn viele gerne das Leben so weiterleben würden wie es ist. Wer es schafft mit dem Leben und dem evolutionären Impuls mitzugehen der verändert sich im Leben zwei bis drei Mal grundlegend, wird aber dadurch intelligenter. Interview Thomas Hübl

Wer offen bleibt, birgt Veränderungskompetenz

In diesem Buch findet sich auch ein Kapitel über Skills und Fähigkeiten. Ich habe Kollegen, die diesen Job machen weil er gut bezahlt ist und Spaß macht. Ich habe andere Kollegen die den Ruf und das Potenzial spüren, wirklich etwas zu verändern und einen Beitrag zu liefern zu etwas Neuem in der Welt. Was könnte eine Praxis sein für Letztere, um über das Gewohnte hinauszugehen und diesen Weg zu gehen? Immer offen bleiben! Wenn wir etwas Neues entdecken, wissen wir: es ist nur eine Stufe, nicht das Treppenhaus. Entdeckt jemand etwas, so kann er einen Job daraus machen. Wirklich genial ist, wer etwas entdeckt, es manifestiert und während diesem Manifestieren bereits wieder offen ist für das was daraus erwachsen mag – wo der nächste Ast hinwächst, das nächste Blatt sich zeigt und die nächste Blüte entsteht. Sie sind nicht verhaftet in dem, was sie jetzt geschaffen haben. Also wieder gibt es eine Manifestations-Phase, in der sich so jemand erdet und strukturiert, doch dabei bleibt ein Teil offen, was denn das wiederum Neue, was sich darauf aufbaut, sein könnte. Wer das schafft, hat Veränderungskompetenz: Die Kompetenz, um im Fluss zu bleiben statt ans Ufer zu schwimmen und dort seinen Campingplatz aufzuschlagen. Diesen Kanal, dieses Lauschen und Wachsein offenhalten ist eine hohe Kunst – das Mitkriegen von Impulsen im System außen und in mir selbst. Ich kann dies als Praxis pflegen in dem ich mich darum kümmere, immer neugierig zu bleiben. Immer noch in einem Zustand des Nichtwissens zu bleiben – auch wenn sich schon viel erreicht habe im Leben, da ist dieser Teil der nicht weiß. Ein permanentes neugieriges Hinterfragen von dem was ist. Zweitens eine Praxis von Gegenwärtigkeit und Anwesendsein. Also Anteilnehmen am Prozess in meinem Umfeld und gleichzeitig zu lauschen wo neue Impulse auftauchen. Manchmal tauchen diese ja nicht in mir auf, sondern ich höre anderen zu und eine Erkenntnis steigt auf – auch wenn das Thema eigentlich ein ganz anderes sein mag. Innovative Leute haben einen innovativen Spirit. Bin ich in der Wirtschaft erfolgreich und an einer Neuentwicklung dran, so kann ich diesen Spirit in mir dadurch unterstützen in dem ich innovativen Menschen anderer Disziplinen zuhöre: Ein Kunst-Vortrag, ein Interview mit einem exzellenten Sportler, ein TED-Talk oder ähnliches. Was ich damit tue ist mich mit derselben Entwicklungsebene und dem „Leading Edge” in anderen Disziplinen zu verbinden. Die Offenheit, mir etwas anzuhören, was nicht aus meinem Feld ist, kann eine große Inspiration bringen – für mein Feld. Bleibe ich nur in meinem Bereich, bin ich höchstwahrscheinlich in den dortigen Strukturen und Abläufen zu verhaftet. Frische Luft tut gut. Selbst wenn ich mit etwas nichts zu tun habe, aber mal einer Größe aus einem anderen Gebiet zuhöre, kann mich dies inspirieren, in meinem eigenen Gebiet noch kreativer zu werden. Weltoffenheit und andere Kulturen bringen immer Sauerstoff. Lasse ich mich darauf ein, so öffnet sich mein eigener Verstand.

Interview Thomas Hübl aus dem Buch CoCreate!

Dieses Interview wurde zuerst veröffentlicht in der Publikation CoCreate! Das Visualisierungs-Buch von Mathias Weitbrecht  

Über Thomas Hübl

Thomas Hübl widmet sich der Erforschung von Bewusstseinsräumen mit einem evolutionären Ansatz und fokussiert dabei auch auf kollektive Wir-Räume. Er hat die Academy of Inner Science gegründet, durch die Bewusstsein erforscht und Menschen in ihrem Prozess zu mehr Bewusstheit unterstützt werden. Er hat die besondere Gabe, Menschen präzise zu erkennen und zeitloses Wissen im Kontakt anzuwenden. Er bringt Erkenntnisse in den gesellschaftlichen Diskurs ein und tauscht sich über Grenzen hinweg mit denen aus, die innovative Ideen und Visionen zur gegenwärtigen Lage in der Welt haben. Dabei forscht er insbesondere über kollektives Trauma.  
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